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Ehrenamtlicher, wo sollst du wohnen?



von Andreas Jäckel

Waren es zum 30.05.2016 noch 167 Einsätze, musste in diesem Jahr die Freiwillige Feuerwehr Erding bereits satte 225 Einsätze bewältigen, darunter drei Großbrände. Diese Anzahl stellt eine Steigerung von 16,5% im Vergleich zum Vorjahr dar. Das sind alarmierende Zahlen!

Die freiwilligen Kräfte werden immer öfter benötigt, die Einsatzbereitschaft soll stets aufrecht erhalten werden - und das bei einer geforderten Hilfsfrist von 10 Minuten. Das bedeutet, dass die freiwilligen Helferinnen und Helfer schnell am Feuerwehrhaus sein müssen.

Genau dies ist in Anbetracht der immer größer werdenden Wohnungsknappheit ein äußerst schwierigeres Unterfangen. Denn Wohnraum in der Herzogstadt ist knapp und - wenn überhaupt vorhanden - nicht mehr bezahlbar!

Bereits vier Mitglieder mussten im laufenden Jahr aufgrund fehlenden bezahlbaren Wohnraumes „die Segel streichen“ und die aktive Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Erding quasi beenden. Sie waren gezwungen, ins Umland zu ziehen, da sie dort finanzierbaren Wohnraum finden konnten.
Weitere neun Mitglieder, die in den vergangenen zwei Jahren ins Einsatzgebiet der Feuerwehr Erding gezogen und derzeit beispielsweise beruflich in Liegenschaften der Bundeswehr untergebracht sind, befinden sich seit Langem auf Wohnungssuche. Dies ist der bekanntlich schwerste Part in dieser Stadt – noch dazu, wenn man eine Familie hat oder in Familienplanung ist.

Und jeder Wohnungssuchende kennt es: Gut 20 Absagen auf Bewerbungen für eine Bleibe bekamen unsere „Neuen“ im Durchschnitt.

Weitere drei Mitglieder werden bis Mitte 2018 Erding verlassen, um nach Eichenried und Reichenkirchen zu ziehen, weil sie erst dort bezahlbaren Baugrund gefunden haben.

In den Jahren 2015/2016 konnte man unter großem Arbeits- und  Zeitaufwand mit mehreren Werbeaktionen 20 neue Mitglieder gewinnen, die mittlerweile dazu beitragen, dass besonders auch tagsüber genügend Ehrenamtliche für die Sicherheit der Erdinger Bevölkerung einstehen. Mitglieder, die wichtig sind, da sich über 80% der Einsätze im Stadtgebiet tagsüber zwischen 06 und 19 Uhr ereignen.

Für uns als Kommandanten der Feuerwehr Erding hat sich mittlerweile unser Arbeitsgebiet erheblich erweitert und erschwert. Wir müssen nicht nur die stetig steigenden Einsatzzahlen und den immer größer werdenden Verwaltungsaufwand bewältigen, auch der finanzierbare Wohnraum für die Mitglieder der Erdinger Wehr ist für uns ehrenamtliche Kommandanten ein Thema, für das wir eigentlich nicht verantwortlich sind. Jedoch sehen wir uns mittlerweile gezwungen, uns damit zu befassen, weil wir andernfalls die Einsatzstärke unserer Feuerwehr stark gefährdet sehen.

Die Stadt Erding stellt in Aussicht, ein Einheimischen-Projekt im Süden Erdings zu realisieren, welches zwar sehr wichtig ist, jedoch im Falle der Feuerwehr Erding leider so weit entfernt ist, dass zeitgerechtes Ausrücken nicht mehr möglich ist.

Kurzum: Die Wohnungsnot in Erding ist gravierend. Wohnraum – geschweige denn bezahlbarer – wird von den Bürgern der Stadt Erding, dazu gehören auch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Erding, dringendst benötigt.

Daher appellieren wir als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Erding an die Bevölkerung, aber auch an den Stadtrat, uns alle bei diesem Problem zu unterstützen. Denn die Stadt Erding wird in den nächsten Jahren auch weiterhin wachsen – und weiterer Zuwachs erhöht die Wohnungsknappheit in der Stadt, gleichermaßen aber auch die Einsatzzahlen aller Feuerwehren in Erding.

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